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Ja, wie das so ist bei Anfängern: Klein fängt man an, es gab ja kaum etwas, was wir unser Eigentum nennen konnten: keine Bücher, keine Landkarten, nicht mal ein Stückchen Kreide! Und selbst die ersten Schüler kamen nur auf Verdacht und unter Verdacht und dem größten Vorbehalten, damals im April 1963! Was war schon eine Realschule, was konnte sie bieten, welche schulischen Möglichkeiten würden dem Schüler eröffnet? Fragen über Fragen! Von seiten der Stadt Werl, dem damaligen Bürgermeister Dr. Pöppinghaus und Stadtdirektor Ludwig, waren alle rechtlichen Vorraussetzungen geschaffen worden, die Geburt der 4. weiterführung Schule in der Stadt Werl ohne Komplikationen einzuleiten. Und warum sollte das neue Schulkind "Realschule" nicht erst in einem fremden "Kinderwagen" heranwachsen können, in den Räumen der Overbergschule, hoch oben im 2. Stock des alt-ehrwür-digen Lehrerseminas! Und das Kind gedieh prächtig, sich immer der Tatsache bewußt, dass es ein Wunschkind war und deshalb unter den Kritischen, jedoch wohlwollenden Augen der Eltern und auch der Werler Öffentlichkeit sich entfalten musste. Geburtshelfer, die wertvolle Ratschläge in der Kindererziehung kannten, fanden sich genügent in der Oberbergschule, namentlich in der Person des seligen Rektors Karl Hering. Er war es insbesondere auch, der uns, den jungen Lehrern in dieser neuen Schulform, den Umgang mit der Behörde beibrachte. Und so lernten wir sehr schnell das "Laufen" und konnten gar bald auf eigenen Füßen stehen.
 
1. Domizil: Overbergschule
Aus anfänglich zwei Lehrern waren jetzt schon sieben oder acht Hauptamtlich besetzte Planstellen geworden. Gar bald wurden die möbelierten Zimmer in der Overbergschule
zu klein, und wir fanden ab 1966 in der alten Walburgisschule am Markt ein geeignetes Mietshaus. Mit dem quantitativen Wachstum der Schule hatte auch die qualitative
Entwicklung Schritt gehalten, und längst schon war die junge Realschule dabei, ein eigenes Profil zu entwickeln, das sich allgemeiner anerkennung erfreute.
Der Versuch war geglückt: Die Städt. Realschule für Jungen hatte ihre Bewährungsprobe bestanden, hatte ihren Platz im Schulsystem der Statd Werl erobert und konnte - nach ofizieller Annerekennung durch den Regierungspräsidenten - im Jahre 1968 zum ersten Mal eine Abschlussklasse entlassen und den Abschlußschülern das Zeugnis der "mittleren Reife" aushändigen. Nun sollte es weiter und rasanter bergan gehen, hatte die Schule doch durch diesen ersten Abschlußjahrgang genügend Repräsentanten, Eltern wie Schüler, die von der pädagogischen Qualität und der Leistungsfähigkeit der Schule Kunde geben konnten. Ärzte, Rechtsanwälte, Lehrer, Ingenieure u.a. entstammen dieser ersten Abschlußklasse!
Parallel mit dem Zustrom der Schüler, inzwischen annährend 300, hätte auch die versorgung mit Lehrkräften sattfinden müssen. Doch wegen der allgemeinen Lehrerknappheit konnte der Unterricht nur mit Hilfe vieler nebenberuflicher Lehrkräfte voll erteilt werden.
Unser Mietshaus, die alte Walburgisschule, die inzwischen von unserem Hausmeister Bernhard Sobbe versorgt und auf Hochglanz  gehalten wurde, drohte schon wieder zu klein zu werden für die Vielzahl der Schüler. Unterdessen hatte der Rat der Stadt Werl ab Schuljahr 1969/70 auch  Mädchen den Zugang zur "Städt. Realschule für Jungen" gestattet, so daß  eine Umbenennung in "Realschule für Jungen und Mädchen"  zwangsläufig erfolgen musste. Mit dieser Umbenennung sollten gar bald weitere "Mieter" einziehen. So war es nicht weiter verwunderlich, das die Diskussion um ein "Eigenheim" in Gang kam, denn auch das Mietshaus platzte schon wieder aus allen Nähten, denn immer mehr Mieter wollten hinein. Endlich, am 23. November 1972 war es endlich soweit: Die Schule konnte mit 410 Schülern und 12 Klassen in ein Eigenheim am Kucklermühlenweg umziehen, für alle Beteiligten ein wahrhaft großes Ereignis! Die Zeit der Behelfsmäßigkeit, von allen mit großer Geduld ertragen und hingenommen, war endgültig vorbei. Gott sei dank, so dachten insbesondere auch die Lehrer, die oft mit wahrhaft künstlerischem Geschick und einem ausgeprägtem Improvisationsvermögen ihre Unterrichtsstunden in allen Bereichen des Lehrplans absolvierten, denn mit den Fachräumen wahren wir noch nicht verwöhnt, waren wir doch bisher nur Untermieter und insofern anspruchslose Gäste, die jeden Unterschlupf dankbar akzeptierten , mit oder ohne Ausstattung.
 
  

2. Domizil: Alte Walburgisschule, heute VHS-Gebäude
Am Kucklermühlenweg nun konnten wir uns entfalten, jeder, Schüler wie Lehrer, auf seine weise: Turnhalle, Werkraum, Sprachlabor, eine voll ausgestattete hauswirtschaftliche Abteilung, Schülerbücherei, eine hervorragend ausgestatteter Wissenschaftlicher Trakt! All diese Einrichtungen boten beste Vorraussetzungen für eine leistungsfähige Schule. Darüber hinaus diente unsere in klaren Strukturen recht wohnlich ausgestaltete Aula der gesamten Schulgemeinde in einer Vielfalt ein Forum der Begegnungen, Inzwischen haben einige Schülerjahrgänge die Städt. Realschule erfolgreich durchlaufen, nämlich die Kinder unserer ersten Schüler aus der Pionierzeit unserer Schule, erfüllen das immer noch neue Gebäude mit neuem Leben.

Was mich als Lehrer und Schulleiter sehr glücklich stimmt, ist die Feststellung, dass die Städt. Realschule von allen Schülern bisher als ein Art „geistiges Zuhause“ angesehen und anerkannt wurde und somit den Schülern mehr bieten kann als nur ein Schlachtfeld für zwang- und mühevolles Lernen. Nein, es ist unser Eigenheim, unsere Schule, in der es sich leben und lernen lässt.
 
 
 
 

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